Negativzinsen

Negativzinsen sind ein zweischneidiges Schwert

 

Negativzinsen bei Staatsanleihen beflügelten zuletzt wieder den Kreditmarkt. Das ist vor allem bei Immobilienkrediten der Fall. Hypothekarkredite erfordern weniger Eigenmittelunterlegung, denn sie sind sicherer. Die Immobilienpreise sind europaweit im Aufwind. Laut Eurostat lag der durchschnittliche Anstieg der Immopreise im Euroraum im 3. Quartal 2016 bei 3,4% auf Jahresbasis. In Österreich lag er bei 5,2%. Ungarn und Lettland wiesen zuletzt sogar zweistellige Preissteigerungen am Immobilienmarkt auf. Damit steigen Belehnwert und Finanzierungspotenziel. Je mehr Banken aber in Österreich Immobilienkredite forcieren, desto größer wird der Wettbewerb.

Mittlerweile führte der zunehmende Mitbewerb zwischen den Kreditinstituten dazu, dass der durchschnittliche Aufschlag der Marktstichprobe des INFINA-Kredit-Indikators (IKI) binnen eines Jahres bis 2. Jänner 2017 von 1,469 auf 1,385 Prozentpunkte und somit den niedrigsten Stand seit Bestehen des IKI (Start Jänner 2013) zurückging. Auch bei den Fixzinsbindungen versuchen Banken zu punkten, denn es geht schließlich um absolute Erträge, die über längere Zeiträume lukriert werden können. Unsicherheiten hingegen gibt es bei den variablen Krediten.
Gefahr einer Kreditverteuerung
Hier geben die meisten Banken bei Eurokrediten keine Negativzinsen an ihre Kunden weiter. Doch die aktuelle Rechtsprechung fällt tendenziell klar zugunsten der Bankkunden, sprich Negativzinsen, aus. Mit dem noch ausstehenden OGH-Urteil zur Weitergabe von Negativzinsen droht den Banken über Nacht eine Belastungswelle. Spätestens ab diesem Zeitpunkt könnten sich auch bei variabel verzinsten Krediten die Neukonditionen verteuern. Auf diese Weise würden nämlich die Banken versuchen, den Ertragsentgang durch Weitergabe von Negativzinsen zu kompensieren. Eine weitere Gruppe, auf die zukünftige Belastungen abgewälzt werden könnten, sind Unternehmer und Freiberufler.

Darüber hinaus verteuern sich im Einklang mit steigenden EUR-Swapzinssätzen die langjährigen Fixzinsbindungen. Diese Entwicklung hat in den vergangenen Wochen bereits eingesetzt. Ein weiteres Risiko geht von Italien aus, wo einige Großbanken enormen Kapitalbedarf haben und Experten vor der Gefahr einer Bankenkrise warnen. Sollte sich von Italien, Griechenland, Portugal, Zypern und Slowenien ausgehend eine neue Bankenkrise in Europa ausbreiten, würden generell die Refinanzierungskosten der Banken ansteigen. Kreditinstitute würden nämlich das Vertrauen zueinander verlieren und dann mehr Geld verlangen, wenn sie sich untereinander mit Liquidität überbrücken. Zuletzt war dies nach der Lehman-Pleite im September 2008 der Fall.

Fazit: Die Negativzinsen, die den Hypothekarkreditmarkt beflügelten, sind auf der anderen Seite auch ein potenzieller Auslöser zukünftiger Margenerhöhungen, sofern die OGH die Weitergabe von Negativzinsen an Konsumenten anordnet.

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